Offener Brief an die Befürworter einer besseren Welt und jene die nur das “Grundsätzliche” sehen

24. September 2010 | Von Till Leckebusch | Kategorie: Kommentar, Till Leckebusch

Liebe Befürworter einer besseren Welt,

heute habe ich einen Beitrag gelesen, der hatte und hat meine volle Unterstützung. Auf www.global-u-turn.org ist ein Beitrag über das “letzte Tabu”, den Verzicht zu lesen.

Grundsätzlich stehe ich dem Beitrag positiv entgegen. Nur nachdem ich den Beitrag bis zum letzten Wort gelesen hatte, wollte sich keine Freude oder ein “Jau, so ist es” einstellen. Es fehlten Informationen und was noch schlimmer war, es wurden einfach falsche Schlüsse gezogen.

Als ich dann meinen größten Einwand auf Twitter kundtat, nämlich die Frage auf was wir denn verzichten sollten, bekam ich die nette Antwort: “Haben Sie den Artikel gelesen? Wenn ja, müsste eigentlich klar sein, worum es geht. Wir freuen uns auf Ihre Ideen als Kommentar.” Also noch einmal den Beitrag überflogen und geantwortet: “Ja, darum frage ich worauf verzichten. Ich kann nicht den Verz. predigen u. dann nicht sagen worauf. zB kein gefäh. Fisch”

Der dann folgenden Antwort, haben Sie diesen Brief zu verdanken: “1. predigen wir nicht und 2. geht es um grundsätzliche Dinge, nicht um Einzelheiten. Ich verzichte auf Flüge, Kommerz u.v.m. LOVOS”

So ok, dann mal etwas Grundsätzliches. Ein Verzicht auf Wirtschaftswachstum hat weder mit den Wirtschaftsverhältnissen, noch mit der Verbesserung jener zu tun. Ein Verzicht auf Wirtschaftswachstum hat nur damit zu tun, dass das Selbige weniger wächst. Ich erreiche keine einzige Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in den Entwicklungsländern. Wer dieses glaubt, sollte lieber noch einmal darüber nachdenken.

Wenn von heute auf morgen umweltschonend produziert wird, verlagert sich die treibende Kraft des Wirtschaftswachstums nur von einem Wirtschaftszweig auf einen Anderen. Wirtschaftswachstum werden wir weiterhin haben.

Wir verbrauchen unsere Rohstoffe. Richtig, nur werden Rohstoffe in Zukunft immer öfters wieder zurückgewonnen. Bestes Beispiel die Dose. Das Material der Dosen wird heute zu 100% zurückgewonnen, außer einige Schmierheinies schmeißen Dosen ins “Grüne”. So werden immer mehr Metalle heute wieder zurückgewonnen und dieser Trend ist nicht mehr umkehrbar. Und weiterhin wächst die Wirtschaft.

Ich kann jetzt weitere Beispiele aufzählen. Es bleibt dabei, Wirtschaftswachstum hat nichts mit der Zerstörung unserer Welt zu tun.

Der Beitrag von Johannis Jappen hat etwas gemacht, was ich einigen meiner Kollegen immer wieder vorwerfen muss, sie lassen den Leser alleine. Alleine mit dem, was die Politik konkret machen muss und alleine mit dem, was der Einzelne machen sollte. Es wird allgemeine Angst geschürt, aber ein Ausweg oder zumindest die Richtung zum Ausweg wird nicht gezeigt. Das ist aber die Pflicht eines guten Journalisten.

Ich antworte daher mit den Worten meines alten und von mir hochgeschätzten Geschichtslehrers, als Reaktion auf ein verbocktes Geschichtsreferat, „das war nichts, noch einmal“.

Schlagworte: Globalisierung, Umwelt, Umweltverschmutzung

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