Kommentar – Zoff in Mecklenbeck über ungelegte Eier
10. Dezember 2009 | Von Till Leckebusch | Kategorie: Kommentar, Till LeckebuschIn den letzten Tagen wurde deutlich, das geplante Stadtbereichszentrum in Mecklenbeck (Weseler Straße) schlägt hohe Wellen. Erst hat die CDU-Mecklenbeck sich gegen das Zentrum ausgesprochen, jetzt auch noch Karlheinz Pötter, der Vorsitzende des Mecklenbecker Bürgervereins sowie des Geschichts- und Heimatkreises. Dieses führte nun dazu, dass sich die Befürworter zu Wort meldeten. Allen voran Bernhard Brämswig von der SPD-Aaseestadt/Mecklenbeck. Er wehrt sich gegen die gemachten Äußerungen von CDU und Herrn Pötter.
Aber worüber wird sich denn gestritten. Über etwas, was gar nicht da ist und erst in den Kinderschuhen der Planung steckt. Auf dem Gelände Weseler Straße, auf denen zurzeit Aldi, Fressnapf etc. stehen, soll ein Nahbereichszentrum gebaut werden. Dieses ist erst einmal nichts Schlechtes. So etwas schafft Arbeitsplätze.
Sodann haben die Kritiker recht, wenn sie auf die angespannte Verkehrssituation hinweisen. Der Versuch mit dem Auto einmal vom Süden Münsters in den Norden zufahren und dann wieder zurück, bringt jeden Autofahrer an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Diese Situation ist bekannt und schon seit Jahrzehnten so. Hieran ist aber kein Nahbereichszentrum schuld. Seit über 30 Jahren stellt die CDU den Bürgermeister. Einzig eine kleine Auszeit von vier Jahren trübt das Bild. Man kann also getrost sagen, dass die CDU seit 30 Jahren die schlechten Verkehrsverhältnisse in Mecklenbeck und im übrigen Münster kennt, aber sich weigert, etwas daran zu ändern. Demnach ist die CDU hier zu aller erst Ansprechpartner. Sie hat es zugelassen, dass Münster mit einer völlig veralterten Ampelanlage zurechtkommen muss. Computergesteuerte Signalanlagen muss man in Münster mit der Lupe suchen. Diese würden aber massiv zum Abbau der Staus beitragen.
Dann geht man davon aus, dass das Nahbereichszentrum Mecklenbeck 33 % mehr Verkehr verursacht. Hier stellt sich die Frage, wie ist es zu dieser Zahl gekommen. Wurden eigentlich die Autofahrer schon abgezogen, die jetzt das Gelände ansteuern? Denn diese sind ja dann kein “Mehrverkehr”. Außerdem, wurde denn bedacht, dass gerade die Mecklenbecker selber zum Abbau des Verkehrs beitragen. Es müssen weniger Fahrten in die Innenstadt getätigt werden. Wenn ich also von 33 % mehr Kunden ausgehe, die dann das betroffene Gelände aufsuchen, dann müssen natürlich die Kunden abgezogen werden, die sonst über die Weseler Straße in die Innenstadt fahren. Die wäre ja sowieso auf der Weseler Straße. Überdies werden jene nicht mit dem Auto zum Einkaufen fahren, die dann ihre Einkäufe bequem mit dem Fahrrad tätigen können.
Als Nächstes wird von den Kritikern angeführt, wenn eine weitere Entwicklung von Mecklenbeck nötig sein sollte, dann bitte um die St.-Anna-Kirche. Darüber würden sich besonders die Anwohner des Dingbängerweges freuen. Sie wären die alleinigen Leidtragenden. Außerdem ist ein weiterer Ausbau kaum möglich, da die passenden Flächen fehlen.
Aber was ist, wenn man den Kritiker folgt und das Nahbereichszentrum an der Weseler Straße nicht genehmigt. Dann hat man kaum Einfluss auf das, was dort gebaut wird. In Deutschland ist es nun einmal so, dass es nur begrenzte Möglichkeiten gibt, auf die Entwicklung eines Gewerbegebietes Einfluss zu nehmen. Sind diese ausgeschöpft, kann gebaut werden, was man möchte. Ob es nun eine Spielhölle, Sexshop oder Bordell ist, im Notfall wird es dann eingeklagt. Schon allein aus diesem Grund sollte man sich ein striktes Nein gegen das Nahbereichszentrum lieber dreimal überlegen.
Außerdem hat Herr Pötter auf etwas Wichtiges hingewiesen. Da man jetzt noch nicht einmal weiß, ob die in Bau befindlichen Geschäfte neben der St.-Anna-Kirche von den Kunden angenommen werden, könnte dieses Schicksal auch jene Geschäfte treffen, die an der Weseler Straße in Planung sind. Wenn dieses der Fall wäre, dann würde man sich jetzt über ungelegte Eier aufregen, denn ein erhöhtes Verkehrsaufkommen würde dann ausbleiben.
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