Ein schwarzer Tag für das demokratische Deutschland
22. September 2011 | Von Till Leckebusch | Kategorie: Kommentar, Till Leckebusch
Der Papst ist wieder in Deutschland. Die Einen freuen sich und pilgern zu den Stationen seines Besuches, die Anderen rufen ihren Unmut laut heraus. Ob der Papst vorm Bundestag sprechen soll entzweit Deutschland. Wenn jemand dagegen ist, werden oft Gründe genannt, die weder für noch gegen eine Rede sprechen. Sie gehören in den Bereich Religion und sollen auch dort bleiben. Bis heute habe ich noch keinen guten Grund gegen eine Rede vor dem Bundestag gehört. Dabei gibt es derer so viele.
Wenn ein ausländischer Staatschef vor dem Bundestag reden darf, dann soll dieses ein Zeichen der Wertschätzung sein. Wenn jetzt dieser Staatschef diktatorisch über sein Land regiert, und jede Demokratiebestrebung im Keime erstickt, dann wäre eine Rede dieses Staatschefs vor dem Bundestag ein Affront gegenüber jedem Bundesbürger.
Dann betrachten wir doch einmal die Staatsform des Staates Vatikanstadt. Es handelt sich um eine absolutistische Wahlmonarchie. Was bedeutet dieses. Der Papst als Oberhaupt des Staates wird gewählt und besitzt dann absolute Macht. Das ist keine Theorie, das ist ein Fakt. Überspitzt ausgedrückt, wenn der Papst wollte, könnte er jeden der seinen Staat betritt festnehmen und hinrichten lassen. Das dieses nicht passiert ist klar, nur sollten jeder bedenken, dass die Diskriminierung von Frauen staatlich gewollt ist. Spätestens jetzt hört bei mir das grinsen auf. Ein Staat der Frauen, Schwule und Lesben „staatlich“ diskriminiert, entsprich nicht den Werten, die in Deutschland vorherrschen. Auch der Umgang mit kritisch denkenden entspricht eher einem totalitären Staat, als einem modernen europäischen Staat. Wer etwas gegen die absolute Macht des Papstes sagt, wird ruhiggestellt. Dabei zeigt die Queen, dass es eine gute Koexistenz zwischen Staatsoberhaut und religiösem Oberhaupt geht. Niemand würde je behaupten, dass Großbritannien nicht demokratisch sei.
Darum kann und darf es nur eine Antwort geben. Solange das Volk von Vatikanstadt auf staatlicher Ebene nicht demokratisch mitregieren darf und die Diskriminierung einzelner Gruppen nicht aufhört, stellt die Ehrung des Papstes als Staatschef einen Affront dar. Gerade als Mitglied des Bundestages hätte jeder vorher überlegen sollen, ob man eine Einladung ausspricht. Denn kein Bürger versteht, warum der Papst mit offenen Türen empfangen wird, aber die Türkei nicht in die EU aufgenommen werden soll. Dabei ist die Türkei auch noch demokratischer als der Vatikanstadt.
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