Weniger ist mehr – Gute Vorsätze für das neue Jahr

4. Januar 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Münster, Universität

Mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr ist es so eine Sache. Sie zu fassen, ist nicht schwer. Aber wie sieht es mit der Umsetzung in die Tat aus? Und wie hängen Realisierung und Lebenszufriedenheit zusammen? Diesen und weiteren Fragen gehen Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) seit etwa einem Jahr in einer Studie nach. Dabei haben sie auch diejenigen im Blick, die sich gar nichts vornehmen – immerhin 43 Prozent der Befragten.

„Wir konnten sehen: Die Menschen ohne Vorsätze fürs neue Jahr hatten über wiederholte Befragungen hinweg eine leicht höhere Lebenszufriedenheit und eine etwas bessere allgemeine Stimmung als die Befragten mit Vorsätzen“, sagt Studienleiter Dr. Meinald Thielsch, Privatdozent in der Abteilung Organisations- und Wirtschaftspsychologie. Bei den Menschen, die Vorsätze fassten, galt: Je weniger Vorsätze sie hatten, desto höher war ihre allgemeine Lebenszufriedenheit. „Die Vermutung liegt nahe, dass eine hohe Zufriedenheit dazu führt, dass es weniger ‚Baustellen‘ gibt, die man sich vornehmen will“, so Meinald Thielsch.

Mit dem Erreichen persönlicher Ziele ging auch eine höhere Zufriedenheit einher. „Wir wissen allerdings nicht, wie dies zusammenhängt“, räumt Meinald Thielsch ein. „Sind die Menschen zufriedener, weil sie ihre Vorsätze umsetzen? Oder wirkt sich die Zufriedenheit positiv auf die Umsetzung aus? Das müssen wir noch herausfinden.“

Menschen, die ihre guten Vorsätze bereits in den vergangenen Jahren erfolgreich umgesetzt hatten, schnitten auch 2015 besonders erfolgreich ab. „Das hängt mit dem Glauben an sich selbst zusammen. Wer davon überzeugt ist, dass er seine Vorsätze umsetzen kann, schafft es tatsächlich besser. Und wer einmal Erfolg hatte, ist fürs nächste Mal bestärkt“, erklärt Meinald Thielsch.

Insgesamt setzten die im Laufe des Jahres befragten Männer wie Frauen durchschnittlich rund 42 Prozent ihrer guten Vorsätze bis zum Sommer um. Die Erfolgsquote hing von der Art des Vorsatzes ab: Etwa 53 Prozent der Befragten gaben im Sommer 2015 an, ihren ein halbes Jahr zuvor gefassten Vorsatz, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu wollen, umgesetzt zu haben. Sich weiterzubilden, schafften 47 Prozent. 43 Prozent trieben mehr Sport, und etwa 41 Prozent gelang es, weniger Alkohol zu trinken. Der Vorsatz abzunehmen, wurde in 33 Prozent der Fälle umgesetzt. Weniger Zeit im Internet zu verbringen, schafften nur 28 Prozent derjenigen, die es sich vorgenommen hatten. Und der Vorsatz, weniger zu rauchen, wurde gerade mal in 13 Prozent der Fälle umgesetzt. Meinald Thielsch sagt: „Insgesamt setzten die Menschen besonders erfolgreich diejenigen Vorsätze um, von denen sie angegeben hatten, dass sie ihnen besonders wichtig sind. Das Rauchen ist ein Sonderfall. Das hohe Suchtpotenzial macht es für viele Menschen sehr schwer, zu reduzieren oder völlig damit aufzuhören.“

Aus den bisherigen Ergebnissen der Studie zieht Meinald Thielsch ein Zwischenfazit: „Es ist am besten, sich wenige, aber dafür persönlich wichtige Dinge vorzunehmen und diese konkret strukturiert anzugehen.“

Die Wissenschaftler befragten die durchschnittlich rund 46-jährigen Studienteilnehmer über die Online-Plattform „PsyWeb“ bislang drei Mal: zum Jahreswechsel 2014/15, im Februar und im Juli 2015. Zum Start der Befragung machten etwa 900 Frauen und 500 Männer mit, am Ende waren es noch gut 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das „PsyWeb“ ist eine Psychologie-Online-Plattform, an der Wissenschaftler mehrerer Hochschulen beteiligt sind. Die bisherigen Studienteilnehmer werden in Kürze erneut befragt. Interessierte, die bei dieser Studie oder anderen Umfragen mitmachen wollen, sind eingeladen, sich unter https://psyweb.uni-muenster.de beim „PsyWeb“ anzumelden. Die Angaben werden nur wissenschaftlich ausgewertet, nicht kommerziell. Die Psychologen garantieren eine sichere Datenübertragung und Anonymität.

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