Liegt hier wirklich eine Schmutzkampagne vor? – ein Kommentar

20. Mai 2014 | Von | Kategorie: Kommentar, Münster, Till Leckebusch

Der Wohnungskauf des SPD-Fraktionschefs im münsteraner Rat Dr. Michael Jung geht in die nächste Runde. Nachdem die WN einen Artikel über diesen Wohnungskauf gebracht hatte, reagierte heute die SPD mit einer Rundmail an ihre Mitglieder. Was in dieser E-Mail stand ist nicht schwer zu erraten. Michael Jung ist das Opfer einer Schmutzkampagne. Wirklich?
Was sind die Fakten? Jung wurde im August 2013 eine Wohnung angeboten, die er dann gekauft hat und die er dann Ende März bezog. Sanierungen die an der Wohnung vollzogen wurden und werden, dienen grob gesagt der Wärmedämmung. Was ist daran schlimm? Nichts.
Dieses steht auch so in dem Artikel. Es werden beide Seiten erwähnt. Werden unfaire Argumente von Jungs Gegnern vorgetragen. Ja. Und zwar Jung hätte von einer „Mieter-Vertreibung“ profitiert und es liege eine Luxussanierung vor.
Die Mieter-Vertreibung kann man schnell ausschließen. Diese kann nur dann vorliegen, wenn der „Vormieter“ hierfür Beweise vorgelegt hätte. Außer dass er nach Bremen gezogen ist, ist nichts Weiteres bekannt. Somit kann man als Tatsache feststellen, dass keine Mieter-Vertreibung vorlag.
Die Luxussanierung ist nicht ganz so einfach vom Tisch zu wischen. Was ist denn eine Luxussanierung? Eine Luxussanierung liegt z. B. dann vor, wenn die Sanierung nicht dem normalen Standard entspricht, der in dem Viertel vorherrscht. Die sprichwörtlichen goldenen Wasserhähne in einem Arbeiterviertel. Liegt dieses vor? Kann man nicht behaupten. Liegt denn Luxus vor? Naja, die Wohnung liegt in einem beliebten Viertel. Nicht nur Studenten wohnen gerne im Erphoviertel. Eine Eigentumswohnung ist für einen großen Teil der Münsteraner nicht zu realisieren. Hier sind bezahlbare Mietwohnungen gefragt. Diese Wohnung steht aber nicht mehr dem Mietwohnungsmarkt zur Verfügung. Auch ob sie nach der Umwandlung in eine Eigentumswohnung als „bezahlbar“ deklariert werden kann ist fraglich. Aus diesem Haus wurden Mieter „verdrängt“. Das ist nun mal so bei Mietwohnungen die in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Ist das Luxus? Ja. Kann man Jung etwas vorwerfen? Nein.
Und zum Schluss noch ein Wort an die Unterzeichner der E-Mail. Die Presse ist nicht dafür da, den Parteien in Münster Honig um den Mund zu schmieren. Sie ist dafür dar, den Politiker auf den Mund und auf die Finger zu schauen. Dazu gehört auch, was sagt ein Politiker und was macht er. Wenn hier in Münster die SPD auf Plakaten damit Werbung macht, dass sie sich für bezahlbare Mieten einsetzt, der Fraktionschef im März 14 in seine Eigentumswohnung einzieht, die im Mai 13 noch eine Mietwohnung war, dann ist das wohl der schlechteste Zeitpunkt dafür, so „kurz“ vor der Kommunalwahl. Etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte ich auch einem ehrenamtlich arbeitenden Ratsherrn zugetraut. Auch die Presse ist dann „leider gezwungen, zu diesem, mit Verlaub, Stuss Stellung zu beziehen.“

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