Für alle etwas

10. Januar 2012 | Von Till Leckebusch | Kategorie: Kultur, Münster

 

Tré eröffnete den Sonntag - Foto Till Leckebusch

Am Sonntag , 08.01.2012, fand im Großen Haus der Städtischen Bühnen die “kleine” Schwester des Jazz-Festivals “Jazz Inbetween” statt. Zwei Gruppen und ein Solo-Künstler beglückten die Gäste des münsteraner Theaters.

Zuerst spielte das schweizer Trio Tré auf. Mit schweizerischen Klängen waren sie eher für den lustigen Ton zuständig. Wer hier an Klamauk denkt, liegt falsch. Schweizerische Tonfolgen aufnehmend, spannen sie im Laufe des Stückes ein großes Netz an Jazz-Tönen, die aber immer wieder zu ihren schweizerischen Klängen zurückkamen.

Michael Wollny in voller Aktion - Foto Till Leckebusch

Dann kam der Auftritt von Michael Wollny. Der 33-jährige Ausnahmejazzpianist führte gestern ausschließlich Uraufführungen auf. Dieses war schon allein daran zu erkennen, dass Wollny sozusagen Just-in-Time komponierte. Hatte sein erstes Stück noch einen Namen “Münster, achter Januar 2012, 19.45 Uhr” waren die anderen Stücke namenlos, aber nicht weniger intensiv und raumfüllend. Wollny war mit seinem ganzen Körper bei der Sache. Nicht nur die Tasten des Flügels wurden “bearbeitet” auch die einzelnen Seiten wurden mit in die Kompositionen mit einbezogen. Dementsprechend war der Applaus heftig. Obwohl es hin und wieder nicht eindeutig war, ob so mancher weibliche Fan nicht vielleicht eher vom attraktiven Äußeren des schüchternen Pianisten begeistert war oder doch von der grandiosen Musik.

Nicolas Larmignat von der Band "Danzas" - Foto Till Leckebusch

Zum Schluss spielte Jean-Marie Machado mit seiner Band “Danzas”. Sie konnten die Herkunft Frankreich nicht verleugnen. Mit einer Leichtigkeit, die von Sonne durchflutet und der Lust am Leben geprägt war, spielten sie einen Jazz, der europäische und marokkanische Klänge vereinigte. Immer wieder klangen die Klänge Machados Kinderzeit durch. Schnell merkten die Zuschauer, dass gestern eine “Truppe” vor ihnen spielte, die nicht nur miteinander spielen konnte. Hier hatten sich Solokünstler gefunden, die miteinander Jazz spielen wollten. In jedem Lied gab es Passagen, die ein Instrument für sich hatte. So spielten die neun Musiker mal für sich und dann kolossal zusammen.

Nach diesem Tag sollte man Jazz Inbetween überdenken. Nicht ob es eine Berechtigung hat, dieses steht außer Frage, nein, sondern ob man es die “kleine” Schwester nennen darf. Denn diese Schwester ist schon sehr erwachsen.

Schlagworte: Danzas, Großen Haus, Jazz Inbetween, Jean-Marie Machado, Michael Wollny, Münster, Städtische Bühnen, tré

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