Der Arbeitsmarkt in Münster – Jahresrückblick

11. Januar 2012 | Von PAfA | Kategorie: Arbeitsmarkt, Münster

 

Durchschnittlich 8.668 Münsteraner waren 2011 arbeitslos gemeldet, das sind erheblich weniger als erwartet. “Im vergangenen Jahr zeigte sich der regionale Arbeitsmarkt trotz der Sorge um Wirtschaft und Konjunktur im Zuge der Schulden- und Eurokrise sehr robust”, resümiert Reiner Zwilling, Leiter der Agentur für Arbeit Münster anlässlich der Jahresbilanz für den münsteraner Arbeitsmarkt.

Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt bei 6,0 Prozent. Sie sank im Jahresverlauf kontinuierlich, mit Ausnahme von zwei leichten saisonbedingten Ausschlägen im August und Dezember. Besonders erfreulich: Im Versicherungsbereich (SGB III) sank die Arbeitslosenquote im Jahresverlauf um 0,4 Prozentpunkte auf durchschnittlich 1,7 Prozent (Vorjahr: 1,9 Prozent). Die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld I lag im Jahresdurchschnitt bei 2.432. Das sind 296 Personen bzw. 10,8 Prozent weniger als im Jahr 2010. Im Bereich der Grundsicherung (SGB II) stieg die Arbeitslosenquote auf 4,3 Prozent an (Vorjahr: 4,1 Prozent). Das Jobcenter betreute somit 6.236 Arbeitslose im Rechtskreis SGB II. Hier ist ein Anstieg von durchschnittlich 5,5 Prozent (328 Personen) gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.

Arbeitslosigkeit ist kein fester Block, vielmehr gibt es auf dem Arbeitsmarkt sowohl in Zeiten der Wirtschaftskrise als auch im wirtschaftlichen Aufschwung viel Bewegung. Die Dynamik des Arbeitsmarktes belegen die hohen Zu- und Abgangszahlen. Im vergangenen Jahr meldeten sich 24.667 Menschen neu oder erneut arbeitslos – 12,2 Prozent weniger als im Jahr 2010. Demgegenüber konnten 24.458 Menschen ihre Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf beenden. Das sind 13,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Von den insgesamt 8.668 Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt waren 4.823 Männer und 3.844 Frauen. Die Arbeitslosigkeit nahm bei den Männern im Jahr 2011 leicht um 0,1 Prozent (-6 Personen) ab. Bei den Frauen stieg die Arbeitslosigkeit um 1,0 Prozent (+38 Personen). Neben den Männern profitierten im Jahr 2011 vor allem junge Menschen unter 25 Jahren von der konjunkturellen Entwicklung. Mit durchschnittlich 779 Arbeitslosen reduzierte sich die Arbeitslosigkeit in dieser Personengruppe um 7,0 Prozent (-59 Personen). Bei den Älteren (50-65 Jahre) nahm die Arbeitslosigkeit zu. Mit durchschnittlich 2.346 Personen waren 2011 146 ältere Menschen (7,5 Prozent) mehr arbeitslos als noch im Jahr zuvor.

Die konjunkturelle Entwicklung und die Verbesserung des Arbeitsmarktes spiegeln sich ebenfalls in der Unterbeschäftigungsquote. Sie zeigt, wie viele Menschen eine Arbeit suchen, auch wenn sie per Definition nicht zu den Arbeitslosen gezählt werden, da sie sich noch in einer Fortbildung befinden oder dem Arbeitsmarkt aus anderen Gründen nicht unmittelbar zur Verfügung stehen. Die Unterbeschäftigungsquote lag im Dezember bei 7,9 Prozent und verbesserte sich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte, obwohl die Entlastungswirkungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen in 2011 geringer waren als in 2010.

“Die Unternehmen in unserer Region haben im vergangenen Jahr den Blick auf den demografischen Wandel und den zukünftigen Bedarf an Fachkräften gerichtet und vorausschauend gehandelt. So wurden mit 2.260 Ausbildungsstellen 3,6 Prozent mehr gemeldet als noch im Vorjahr”, bilanzierte Dr. Thomas Gahlen, operativer Geschäftsführer der Arbeitsagentur. Bei den Arbeitsangeboten ist der Jahresdurchschnitt leicht rückläufig gewesen. Mit 8.654 wurden 107 Stellen weniger gemeldet als noch im Vorjahr. Das ist ein leichtes Minus von 1,2 Prozent. “Dennoch bewegen wir uns hier auf einem sehr hohen Niveau. Der hohe Bestand offener Stellen verdeutlicht zudem Besetzungsprobleme in einigen Berufsfeldern und Wirtschaftszweigen. Die vorrangige Aufgabe der Zukunft ist es, das gesamte Erwerbspersonenpotenzial stärker zu nutzen, um diese Bedarfe zu decken”, so Gahlen. Dazu gehörten auch bisher nur in Teilzeitarbeitsverhältnissen Beschäftigte, Berufsrückkehrerinnen nach Erziehungsphasen, schwerbehinderte oder ältere Menschen.

Ausblick 2012

Der deutsche Arbeitsmarkt hat im Laufe des Jahres 2011 die letzten Auswirkungen der internationalen Rezession 2008/2009 überwunden. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Laufe des Jahres 2012 ist aber weiter außerordentlich großer Unsicherheit ausgesetzt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit prognostiziert für 2012 dennoch einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit, geht aber auch davon aus, dass die Dynamik am Arbeitsmarkt an Schwung verlieren wird. “Die Chancen, Arbeitslosigkeit zu beenden, sind über Jahre gestiegen, scheinen sich aber nun auf dem erreichten Niveau einzupendeln. In Verbindung mit der abgeschwächten Konjunkturentwicklung ist also damit zu rechnen, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit auslaufen wird”, erläutert Zwilling. “In 2011 haben wir im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) mit einer Quote von durchschnittlich 1,7 bereits ein äußerst niedriges Niveau erreicht”, so der Agenturleiter.

“Hier sind zunächst – dem bundesweiten Trend entsprechend – der Bereich des Gesundheitswesens (+10 Prozent), aber auch die Pflegeheime und das Sozialwesen (+5 Prozent) anzuführen. Darüber hinaus gibt es aufgrund der Prägung als Hochschulstandort in Münster Branchenschwerpunkte. Beschäftigungszuwächse sind hier zum Beispiel bei den „freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen” (+5 Prozent) sowie im gesamten Bereich von “Erziehung und Unterricht“ (+5 Prozent) zu erwarten”, erläutert Gahlen. Positiv sei auch die Entwicklung im Bereich der Energieversorgung (+10 Prozent). Ebenfalls ein Beschäftigungszuwachs von 10 Prozent werde für den Bereich der Arbeitnehmerüberlassung erwartet.

Eher leichte Beschäftigungsgewinne (+2,5 Prozent) im Vergleich zu 2008 seien unter anderem für die Öffentliche Verwaltung, den Einzelhandel, die Herstellung von chemischen Erzeugnissen, der Handel mit Kraftfahrzeugen sowie deren Instandsetzung und Reparatur sowie für den Bereich “Kunst, Unterhaltung, Erholung” zu prognostizieren. Beschäftigungsrückgänge von bis zu zehn Prozent werde es 2012 voraussichtlich noch in der Herstellung von Metallerzeugnissen, dem Maschinenbau, der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und der Herstellung von Druck-Erzeugnissen geben.

Knapp drei Viertel aller Erwerbstätigen sind mittlerweile im tertiären Sektor tätig. Und die Tendenz ist weiter steigend, was zu einer erhöhten Nachfrage nach Facharbeitern und Hoch-Qualifizierten in diesem Sektor führt. “Bereits heute zeichnet sich in Münster in bestimmten Branchen ein Fachkräftebedarf ab. Zum Beispiel in sozialpflegerischen Berufen”, so Zwilling. Darüber hinaus würden auch Ingenieure, Kraftfahrer, Elektroniker, Köche, Bäcker, Friseure und IT-Fachkräfte gesucht.

Zwilling und Gahlen stellten zehn Handlungsfelder zur Erhöhung der Zahl qualifizierter Erwerbspersonen und somit zur Vermeidung eines künftigen Fachkräftemangels vor, die die Bundesagentur für Arbeit in einem Strategiepapier (Perspektive 2025) nennt. Neben dem Handlungsfeld Ausbildung seien die Erhöhung der Erwerbspartizipation von Frauen und älteren Arbeitnehmern, die Steigerung der Arbeitszeit teilzeitbeschäftigter Frauen sowie Weiterbildung und Qualifizierung wichtige Aufgaben. Die regionalen Aktivitäten der Agentur für Arbeit Münster reichten hier von Informationsveranstaltungen und Workshops über Eingliederungszuschüsse bis hin zur Förderung eines Berufsabschlusses. “Die zehn Handlungsfelder eröffnen eine greifbare Chance, dem Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2025 zusätzliche Fachkräfte und hoch-qualifizierte Akademiker zur Verfügung zu stellen”, so Zwilling.

Schlagworte: Arbeitsagentur, Arbeitslosenquote, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Münster

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