Beziehungsqualität? Welche Beziehung denn Herr Bischof? – Ein Kommentar

7. März 2015 | Von | Kategorie: Münster, Till Leckebusch

Das Bistum Münster ist vorgeprescht. Es ist das erste Bistum in Deutschland, das in einer umfangreichen Studie die Zufriedenheit der Katholiken mit „ihrer“ Kirche erforschen ließ. Wenn sie damit mal nicht die Büchse der Pandora geöffnet hat.
Wie schon beschrieben, schneidet sie nicht besonders gut bei den Gläubigen ab. Obwohl sie umfangreich war, blieb sie doch relativ nah an der Oberfläche und ging nicht ganz so tief in die Tiefe. Doch ein Punkt, warum die Gläubigen unzufrieden sind, wurde dann doch genannt. Ca. 60 Prozent der Befragten gaben an, dass die Kirche nicht mehr das Denken der Gesellschaft abbildet.
Hier kann man schnell folgende Punkte aufzählen. Der Umgang mit Homosexuellen, wiederverheirateten Katholiken, Priesteramt für Frauen, Frauenquote in Führungsämtern der Amtskirche bis hin zum Papst und demokratische Strukturen innerhalb der Amtskirche etc.
Schnell wurde ein Schlagwort gefunden, Beziehungsqualität. Damit soll in einem Wort dargestellt werden, dass die Qualität der Beziehung zwischen Gläubigen und der Amtskirche verbessert werden soll. Nun stellt sich aber die Frage welche Beziehung. So soll nicht daran gerüttelt werden, dass die Kirche das letzte Wort hat und der Gläubige gehorchen soll.
Weiterhin wird es schwierig für die Kirche die oben aufgeführten Punkte überhaupt anzusprechen. Diese Punkte sind ja abgehakt und bedürfen keiner weiteren Erörterung. Wenn die Unzufriedenheit von 60 Prozent der Gläubigen aber darauf beruht, dass die Gesellschaftsform, die wir uns selbst gegeben haben und die wir sogar wenn es nötig wäre mit der Waffe verteidigen würden, nicht in der katholischen Kirche Niederschlag findet, wie soll dann die Zufriedenheit dieser Leute gesteigert werden, wenn ihr Hauptkritikpunkt nicht angesprochen wird? Wie will die Kirche ihre Beziehung zu den Gläubigern verbessern, wenn das Haus nur neue Farbe bekommt, aber nicht grundsaniert wird?
Die Strukturen der Kirche sind uralt. Sie stammen aus Zeiten, als es der Kirche nur um Macht ging. Wie sie bekommen und wie sie erhalten. Wie alt die Strukturen sind, erkennt man schon daran, dass der Heilige Stuhl die einzig noch erhaltene absolute Monarchie ist. Theoretisch könnte es jedem passieren, der den Vatikan besucht, dass er verhaftet wird und für immer ohne Gerichtsverfahren verschwindet.
Dass diese Staatsform immer noch besteht, sagt viel darüber aus, wie die Kirche denkt. Die Hoffnung stirbt zum Schluss, sagt man. 60 Prozent stehen aus meiner Sicht kurz davor, ihre Hoffnung auf eine moderne Kirche zu verlieren. Die katholische Kirche sollte endlich aufhören nur Marketing-Schlagwörter zu generieren. Die Kirche muss von Grund auf reformiert werden. Wenn dieses nicht bald passiert, wird sie zu einer Randerscheinung in Deutschland. 10.000 Gläubige verlassen jedes Jahr die Kirche. Was ist, wenn die Austritte Fahrt aufnehmen und es jedes Jahr mehr werden? Was soll Gorbatschow noch einmal gesagt haben, was er aber nie gesagt hat, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Das gilt auch für die katholische Kirche.
Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

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