Ausstellung Krieg/Individuum eröffnet
20. Februar 2010 | Von Till Leckebusch | Kategorie: KulturDie Ausstellung Krieg/Individuum wurde gestern (19.02.2010) durch Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson im Speicher II, Hafenweg 28, eröffnet. Sie betonte in ihrer Begrüßung, dass das Thema leider kein erfreuliches Thema sei, aber doch zurzeit sehr aktuell.
So zeigen die Exponate auch nicht eine offizielle Seite, sondern eine persönliche, betroffene. Sie beleuchteten die Verletzlichkeit der Menschen, sei es in physischer oder psychischer Art und Weise. So ging Frau Vilhjalmsson auch auf die Folgen von Kriegen ein. Diese seien die Vernichtung von Leben und Orten, aber auch Demütigung und Entwürdigung.
Frau Vilhjalmsson wurde in einem Teil der Ansprache sehr persönlich. Sie berichtete, dass sie miterleben musste, dass Mitglieder ihrer Familie aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkamen und sehr traumatisiert waren, aber sie mussten damals damit weiterleben.
Nach Frau Vilhjalmsson führte Frau Kirkpatrick in die Ausstellung ein. Sie stellte die Frage in den Raum, ob bei so einem Thema eine Eröffnung “gefeiert” werden dürfte. Frau Kirkpatrick beantwortete die Frage damit, dass die Kunst gerade den persönlichen Blickwinkel beleuchte und so das Thema dem Betrachter nähergebracht werde.
Die Kuratorin Julia Wirxel erklärte nach Frau Kirkpatrick einige Kunstwerke.
Die gezeigten Kunstwerke können den Betrachter auf erschreckende Art die Auswirkungen des Krieges auf das Individuum nahebringen. So die Werke von Shachar. Der Besucher sieht jeweils einen Torso und einen “Kopf”, der unter einem Leinensack “versteckt” ist. Jedem, der diese Werke sieht, fällt sogleich die Berichterstattung aus dem Irak ein. Diese Skulpturen erscheinen sehr real und grausam. Doch täuschen diese zwei Werke über den Gesamteindruck hinweg. Die Werke wirken sehr distanziert. Sie führen den Betrachter nicht an das Geschehen heran, sondern bleiben unwirklich.
So z. B. das Werk von Ori Gersht. In Zeitlupe wird der Wald von Moskolovka gezeigt. Hier verübten die Nazis ein Massaker. Doch man sieht nur einen Wald. Hin und wieder einen umgestürzten Baum. Wer weder den Ort kennt, noch weiß, was die umgestürzten Bäume bedeuten, also wer vorher keine Erklärung erhält, der fragt sich schnell, was hat der Film mit dem Thema zu tun.
Selbst in den Bildern, die den Krieg selber zeigen, so die Fotomontagen von Martha Rosler, wird dem Betrachter der Schrecken des Krieges nicht gerade nähergebracht. Der Besucher bleibt auf Distanz ohne Nähe und Beziehung zu dem Thema.
Auch wenn Frau Kirkpatrick dieses anders sieht, so machen Fotos und Filme von guten Kriegsberichterstattern oder Dokumentarfotografen vielmehr betroffen und fordern den einzelnen Betrachter eher zum Nachdenken auf, als es diese Ausstellung schafft. Wer die Möglichkeit hat, sollte z. B. eine Ausstellung von James Nachtwey besuchen. Ob es Bilder aus den Krisengebieten sind, oder Reportagen über Menschen am Rande der Gesellschaft, diese Bilder machen betroffen und zeigen dem Betrachter die Folgen unseres Handelns auf.
Wer sich ein eigenes Bild dieser Ausstellung verschaffen will, kann dieses vom 20.02.2010 bis 25.04.2010 tun. Die Ausstellung ist Di.-Fr. Von 14-19 Uhr und Sa/So von 12-18 Uhr geöffnet.
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